Das voller Geschichte und Geschichten steckende Gebiet von Barberino
befindet sich mitten in der Toskana, zwischen Florenz und Siena.
Das mittelalterliche historische Zentrum ist noch heute charakteristisch für
den länglich hingezogenen Ort. Die Hauptstraße, die in der gesamten
Länge mitten durchführt, verbinden die beiden Stadttore, Senese Romana
auf der einen Seite und Fiorentina auf der anderei. Zwei weitere, zu ihr parallel
verlaufende Straßen, münden kurz vor dem Stadttor in sie ein. Die
beiden Stadttore existieren noch (auch wenn wir es bei der Fiorentina mit einem
modernen Neuaufbau zu tun haben), ebenso wie die Verteidigungstürme zum
Valle del Drove hin. Bei der Porta Seese (dem Tor nach Siena hin), allgemein
als “di sotto” Tor bezeichnet, haben wir es mit einer Natursteinkonstruktion
zu tun, die von einem eleganten gotischen Bogen abgeschlossen wird. Oben auf
dem Mauerwerk befindet sich ein kleiner Glockenturm aus Backstein aus dem XVIII.
Jh.
Barberino wird in einem wieder aufgefundenen Dokument der Abtei von Passignano
aus dem Jahr 1054 als im Pfarrbezirk San Pietro in Bossolo gelegene Rocca oder
Borgo erwähnt. Die Entwicklung des Borgo wird jedoch auf die ersten Jahrzehnte
des XIII. Jhs festgelegt – nachdem die Florentiner im Jahr 1202 Semifonte
zerstört hatten. “Florenz mach dich weg, damit Semifonte zur Stadt
werden kann”, das war der Refrain, der bis unter die Mauern der Stadt Florenz
hallte, das wild und gewalttätig nach der Eroberung des Ortes diesel dem
Erdboden gleichmachen und für die folgenden Jahrhunderte jegliche Besiedlung
auf dem Hügel verbieten wollte. Heute erhebt sich als dauernde Erinnerung
an diese tragiche Begebenheit oben auf dem Hügel, der einst Semifonte zugedacht
war, eine Kuppel – sie ist mit der des Brunelleschi (Kuppel des Doms von
Florenz) identisch, nur hier in fünffacher Verkleinerung.
Im Jahrhundert darauf befindet sich der Ort schon unter der Kontrolle von Florenz,
das ihn mit starken Mauern umgibt und zur Garnisonsstadt macht. Er wurde der
Republik Florenz angeschlossen und zum Sitz eines Stadtvogtes.
Die Straße, die heute den Ort im Osten berührt, zog sich einst mitten
durch die Stadt, und die Händler und Pilger mußten wohl oder übel
hier durch und auch hier übernachten. So erklärt sich, im Schutze des
Stadttors nach Florenz, die Existenz des Hospitals der Pilger (Spedale dei Pellegrini),
das Taddeo di Cecco, der Sohn des berühmten Notars und Poeten Francesco
da Barberino im Jahr 1365 errichten ließ. Die Kammposition an der Wasserscheide
zwischen Valdelsa und Val di Pesa zog das Interesse der Florentiner an, die das
Kastell gegen die mit dem Kaiserreich verbündeten Feudalherren verstärkten.